Die Hauptversammlung findet am 10. März um 19:00 Uhr im KGH statt. (Achtung: im alten Probenplan stand als Anfangszeit 19:30 Uhr). Wir proben anschliessend das Jubiläum-Programm.
Kurt Weill (1900–1950) zählt zu den prägendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. In Dessau als Sohn eines jüdischen Kantors geboren, wuchs er in einer musikalisch reichen Umgebung auf. Früh zeigte sich sein Talent für Komposition und musikalische Analyse. Seine Studien führten ihn nach Berlin, wo er unter anderem bei Ferruccio Busoni eine Ausbildung erhielt, die sein Denken über Form, Harmonie und musikalische Dramaturgie nachhaltig prägte.
In den 1920er-Jahren entwickelte Weill eine unverwechselbare Tonsprache: modern, zugänglich, rhythmisch pointiert und offen für Einflüsse aus Jazz, Kabarett und populärer Musik. Seine Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht wurde zu einem Meilenstein des Musiktheaters. Werke wie Die Dreigroschenoper (1928) oder Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930) verbanden gesellschaftliche Analyse mit musikalischer Direktheit. Weill verstand Musik als Mittel, gesellschaftliche Wirklichkeit sichtbar zu machen – ein Ansatz, den er selbst als „Gebrauchsmusik“ bezeichnete.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste Weill 1933 Deutschland verlassen. Nach Stationen in Paris emigrierte er in die USA, wo er sich künstlerisch neu erfand. Statt an der europäischen Avantgarde anzuknüpfen, wandte er sich dem amerikanischen Musiktheater zu. Broadway-Produktionen wie Lady in the Dark, One Touch of Venus oder Street Scene zeigen seine erstaunliche stilistische Wandlungsfähigkeit. Weill komponierte nun für ein breites Publikum, ohne seine künstlerische Integrität aufzugeben. Seine Musik blieb klar strukturiert, emotional direkt und geprägt von einer besonderen Mischung aus Melancholie und Energie.
Weills Werk ist bis heute lebendig, weil es Grenzen überschreitet: zwischen E- und U-Musik, zwischen politischem Theater und Unterhaltung, zwischen europäischer Moderne und amerikanischem Showbusiness. Seine Kompositionen besitzen eine unverwechselbare Handschrift – kantig und zugleich eingängig, kritisch und doch voller Empathie. Sie erinnern daran, dass Musik nicht nur ästhetisch, sondern auch gesellschaftlich wirksam sein kann.
Die beiden Stücke Solidaritätslied und Resolution, die wir im Maikonzert singen, stammen aus der Feder von Hanns Eisler.
Hanns Eilser war ein österreichischer Komponist, Musiktheoretiker und politischer Künstler, der als einer der prägnantesten Vertreter des engagierten Musikschaffens im 20. Jahrhundert gilt. Besonders bekannt wurde er durch seine Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht und seine Beiträge zur politischen Liedkultur.
Geboren am 6. Juli 1898 in Leipzig als Sohn des Philosophen Rudolf Eisler, wuchs Hanns Eisler in Wien auf und wurde nach dem Ersten Weltkrieg Schüler von Arnold Schönberg. Obwohl er sich von Schönbergs Zwölftontechnik später distanzierte, blieb er dessen kompositorischer Strenge verpflichtet. Anders als Schönberg sah Eisler Musik nicht nur als ästhetisches, sondern als gesellschaftliches Medium: Sie sollte aufklären, mobilisieren und verändern.
In den 1920er-Jahren zog Eisler nach Berlin, wo er sich der kommunistischen Bewegung anschloss und für Arbeiterchöre sowie Agitprop-Gruppen komponierte. Seine Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht begann 1928 und prägte sein Schaffen über Jahrzehnte. Gemeinsam entwickelten sie eine neue Form des Musiktheaters, das politische Inhalte mit künstlerischer Radikalität verband – etwa in Werken wie Die Massnahme oder Die Mutter. Eisler schrieb auch zahlreiche Kampflieder, darunter das berühmte Einheitsfrontlied, das zur Hymne der antifaschistischen Bewegung wurde.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ging Eisler ins Exil, lebte zunächst in Europa, dann ab 1938 in den USA. In Hollywood komponierte er Filmmusik und schuf das Hollywooder Liederbuch, eine Sammlung von Liedern auf Texte von Brecht, Hölderlin und anderen, die persönliche und politische Erfahrungen des Exils reflektieren. Seine Nähe zur kommunistischen Bewegung führte 1947 zur Vernehmung durch das Komitee für unamerikanische Aktivitäten und schliesslich zur Ausweisung aus den USA.
1948 kehrte Eisler nach Europa zurück und liess sich in Ost-Berlin nieder, wo er sich am Aufbau des Musiklebens der DDR beteiligte. Er komponierte unter anderem die Nationalhymne Auferstanden aus Ruinen, blieb aber ein kritischer Geist, der sich nicht vorbehaltlos den kulturpolitischen Vorgaben des SED-Regimes unterordnete. Trotz zahlreicher Ehrungen kam es immer wieder zu Spannungen mit den Behörden.
Eislers Werk umfasst Lieder, Kammermusik, Orchesterwerke, Bühnen- und Filmmusik sowie musiktheoretische Schriften. Er starb am 6. September 1962 in Ost-Berlin. Sein Schaffen steht für eine Musik, die sich nicht in Schönheit erschöpft, sondern Stellung bezieht – kompromisslos, analytisch und zutiefst humanistisch.
Hier findet Ihr die Übungshilfen: Zuerst jeweils die Version mit der hervorgehobenen Stimme, direkt darunter die Aufnahme nur mit der jeweiligen Einzelstimme (z. B. nur Alt). Es gibt auch mp3-Dateien mit allen Stimmen. Das ganze Material stammt von Dan Forrest und kann auch auf der Jubilate-Deo-Homepage angesehen werden.
Ganz zuunterst stehen Euch mp3-Dateien zur Aussprache zur Verfügung – die Texte werden in der jeweiligen Originalsprache gelesen – sowie eine PDF-Datei mit allen Texten.
Wenn Ihr eine Übungshilfe anklickt, öffnet sich ein MP3‑Player auf einer neuen Seite. Über die drei Punkte rechts könnt Ihr die Aufnahme in verändertem Tempo abspielen oder herunterladen.
Ein neues Jahr, und schon stapeln sich wieder die Geburtstage — als hätten unsere Chormitglieder nichts Besseres zu tun, als älter zu werden. Diesmal ein fröhliches Halleluja für die Geburtstagsleute! (ich könnte dieses Stück unendliche Male hören). Wir gratulieren den folgenden Sängerinnen und Sängern herzlich und mit einem fröhlichen Zwinkern:
Bertolt Brecht wurde 1898 in Augsburg geboren, in eine Zeit des Umbruchs, die seine spätere künstlerische Haltung entscheidend prägen sollte. Schon als Jugendlicher schrieb er Gedichte und erste Theaterstücke, oft mit einer Mischung aus Provokation, politischem Interesse und lakonischem Humor.
Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er als Sanitätssoldat – eine Erfahrung, die seine Skepsis gegenüber Autoritäten und heroischen Erzählungen vertiefte. Nach dem Krieg zog Brecht nach München und später nach Berlin, wo er rasch Anschluss an die avantgardistischen Kreise der Weimarer Republik fand. Er experimentierte mit neuen Formen des Theaters, suchte nach Wegen, das Publikum nicht nur zu unterhalten, sondern zum Nachdenken zu bringen. In dieser Zeit entwickelte sich sein Konzept des „epischen Theaters“, das Distanz statt Identifikation erzeugen sollte. Brecht wollte, dass die Zuschauer die Mechanismen der Gesellschaft erkennen – und sich nicht in Illusionen verlieren. Eine entscheidende künstlerische Begegnung war jene mit dem Komponisten Kurt Weill. Beide verband der Wunsch, Musik und Theater radikal neu zu denken. Ihre Zusammenarbeit führte 1928 zur Dreigroschenoper, einem Werk, das mit seinen bissigen Texten, seiner Mischung aus Moritat, Jazz und Parodie und seiner schonungslosen Gesellschaftskritik zum Sensationserfolg wurde. Brechts Sprache – knapp, rhythmisch, voller Ironie – fand in Weills Musik eine kongeniale Partnerin. Gemeinsam schufen sie eine Form des Musiktheaters, die bis heute nachwirkt.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann für Brecht ein langer Weg des Exils: erst über Prag, Wien und die Schweiz nach Skandinavien, später in die USA. Trotz materieller Unsicherheit und politischer Verfolgung schrieb er weiter – Gedichte, Stücke, theoretische Texte. Viele seiner wichtigsten Werke entstanden in dieser Zeit, geprägt von der Erfahrung der Heimatlosigkeit und dem Blick auf eine Welt im Krieg.
1948 kehrte Brecht nach Europa zurück und liess sich in Ost-Berlin nieder, wo er das Berliner Ensemble gründete. Dort setzte er seine Theaterarbeit fort, entwickelte Inszenierungen, die bis heute stilbildend sind, und arbeitete eng mit seiner langjährigen Partnerin und Mitautorin Helene Weigel zusammen. Bis zu seinem Tod 1956 blieb Brecht eine prägende Stimme des deutschsprachigen Theaters – unbequem, analytisch, poetisch.
Bertolt Brecht war ab 1929 mit der Schauspielerin Helene Weigel verheiratet. Sie blieb bis zu seinem Tod 1956 seine Partnerin – privat wie künstlerisch. Weigel war nicht nur seine Ehefrau, sondern auch eine zentrale kreative Kraft in seinem Umfeld. Später leitete sie das Berliner Ensemble und prägte Brechts Theaterpraxis entscheidend mit.
Helene Weigel
Brecht führte parallel zu seiner Ehe mehrere langjährige künstlerische und persönliche Partnerschaften, die für sein Werk prägend waren. Dazu gehörten u. a.:
Marianne Zoff, Opernsängerin – mit ihr hatte er eine Tochter (Hanne Hiob).
Elisabeth Hauptmann, Schriftstellerin – massgeblich an vielen Texten beteiligt, u. a. an der Dreigroschenoper.
Ruth Berlau, Schauspielerin und Regisseurin – enge künstlerische Mitarbeiterin im Exil und danach.
Margarete Steffin, Schauspielerin und Autorin – wichtige Mitautorin vieler Stücke.
Brecht lebte also in einem Geflecht aus Ehe, künstlerischen Kooperationen und Liebesbeziehungen, das für seine Arbeitsweise typisch war: kollektiv, intensiv, oft grenzüberschreitend.
Sein Werk wirkt fort, weil es die Widersprüche der modernen Gesellschaft sichtbar macht. Gerade in der Dreigroschenoper zeigt sich Brechts Fähigkeit, soziale Missstände mit scharfem Witz und musikalischer Kraft zu verbinden. Seine Texte stellen Fragen, die nichts an Aktualität verloren haben: Wie entsteht Ungerechtigkeit. Wer profitiert davon. Und welche Verantwortung trägt der Einzelne.
Wichtige Werke von Bertolt Brecht
Theaterstücke
Baal (1918/19)
Trommeln in der Nacht (1919)
Im Dickicht der Städte (1921–23)
Mann ist Mann (1926)
Die Dreigroschenoper (1928, mit Musik von Kurt Weill)
Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930, mit Musik von Kurt Weill)
Die heilige Johanna der Schlachthöfe (1929–31)
Der gute Mensch von Sezuan (1938–41)
Mutter Courage und ihre Kinder (1939)
Leben des Galilei (1938/45/55)
Der kaukasische Kreidekreis (1944/45)
Lyrik
Hauspostille (1927)
Svendborger Gedichte (1939)
Buckower Elegien (1953) Theoretische Schriften
Kleines Organon für das Theater (1948)
Schriften zum Theater (verschiedene Texte, gesammelt posthum) Musikalische Werke / Song-Zyklen (mit Komponisten)
Die Dreigroschenoper (1928, Kurt Weill)
Mahagonny-Songspiel (1927, Kurt Weill)
Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930, Kurt Weill)