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Probe vom 3. November

Wir werden die nachfolgend aufgeführte Stücke proben (die Nummern beziehen sich auf die Carus-Ausgabe). Zu jedem Stück findet Ihr einen Link zum entsprechenden Text sowie eine YouTube‑Aufnahme, eingespielt vom Ensemble Pygmalion unter der Leitung von Raphaël Pichon.

Und natürlich immer wieder:

1. Herr, unser Herrscher – Aufnahme

Zum Einstimmen eine tolle Aufnahme von «Ruht Wohl»:

Den vollständigen Text findet Ihr hier. Eine Liste mit allen Stücken der Johannespassion ausgeführt vom Ensemble Pygmalion findet ihr hier.

Achtung: Wer die Ausgabe Carus 31.245/03 hat: Im Anhang der Ausgabe befindet sich die Version der Stücke 1-10, die wir singen.

Übungshilfen:

Weitere Blogbeiträge zur Johannespassion:

Unterschätzt: Der Chor als heimlicher Hauptdarsteller der Johannespassion
Text Johannes Passion
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Bachs lebenslange Baustelle

Nur wenige Werke Johann Sebastian Bachs haben eine so verwickelte Geschichte wie die Johannespassion. Es existieren vier Fassungen (I bis IV) sowie eine Reinschrift von Bachs eigener Hand aus dem Jahr 1739, die allerdings nur die ersten zehn Sätze umfasst. Fast seine gesamte Leipziger Zeit hindurch, von 1724 bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1750, beschäftigte sich Bach immer wieder mit diesem Werk. Und doch singen wir keine dieser Fassungen.

Fassung I (1724)

Bach hatte genügend Zeit, die Johannespassion zu komponieren: Vom ersten Fastensonntag bis zur Karwoche, in der «stillen Zeit» («tempus clausum»), wurde in Leipzig fast keine Kirchenmusik aufgeführt. Ob Bach das Werk völlig neu schrieb oder einzelne Sätze aus einer möglichen früheren Passion von 1717 übernahm, ist nicht geklärt.

Von dieser Fassung ist leider nur wenig erhalten: die Stimmen der ersten und zweiten Geige, die Continuo-Stimme und die Ripieno-Stimmen (Chor). Auch die Instrumentation ist unklar. Die Fassung lässt sich daher kaum rekonstruieren. Anhand der Continuo-Stimme lässt sich aber schliessen, dass sie im Grundriss fast mit Fassung IV übereinstimmt.

Aufgeführt wurde sie am Karfreitag in der Nicolaikirche in Leipzig.

Fassung II (1725)

Schon ein Jahr nach der Uraufführung überarbeitete Bach die Johannespassion substantiell, obwohl er mit der Komposition seines Choralkantaten-Jahrgangs voll ausgelastet war. Den Eröffnungs- und den Schlusssatz ersetzte er durch grosse Choräle: «O Mensch, bewein dein Sünde gross» und «Christe, du Lamm Gottes». Damit verschwand das Bild Christi als König aus der ersten Fassung. Den Eröffnungschoral verwendete Bach 1736 erneut, nämlich als Schlusschoral des ersten Teils der Matthäuspassion.

Im ersten Teil fügte er die Arie «Himmel reisse, Welt erbebe» ein, und die Arie «Ach, mein Sinn» ersetzte er durch «Zerschmettert mich, ihr Felsen und ihr Hügel». Die Arien «Betrachte» und «Erwäge» entfielen, weil sie sich ausdrücklich auf den ursprünglichen Eröffnungschor bezogen. An ihre Stelle trat die Arie «Ach windet euch nicht so, geplagte Seelen».

Warum Bach das Werk überarbeitete, ist nicht restlos geklärt. Christoph Wolff (siehe Literaturangaben unten) vermutet, er habe die Passion besser in den Zyklus der Choralkantaten einpassen wollen. Möglicherweise war der Eröffnungschor dem Kirchenrat auch zu opernhaft. Schon bei seinem Amtsantritt als Thomaskantor und Musikdirektor hatte Bach hören müssen, seine Kompositionen dürften «nicht zu lang währen» und «nicht opernhafftig herauskommen», sondern sollten «die Zuhörer vielmehr zur Andacht aufmuntern». Sein erster Wurf, die Johannespassion, gilt vielen als opernhaft und war mit rund zwei Stunden sicher lang.

Diese Fassung ist vollständig erhalten, wird aber selten aufgeführt. Auf YouTube findet sich eine hervorragende Aufnahme mit der Camerata Vocale München:

Fassung III (1732)

In der Fassung von 1732, aufgeführt am Karfreitag, dem 11. April, griff Bach erstaunlicherweise wieder auf den Eröffnungschor von 1724 («Herr, unser Herrscher») zurück. Den Choral-Eingangschor von 1725 hatte er inzwischen für die Matthäuspassion verwendet. Ausserdem strich er die Sätze, die sich auf das Matthäus-Evangelium bezogen, vermutlich um eine Überschneidung mit der 1727 entstandenen Matthäuspassion zu vermeiden. Damit entfielen unter anderem die Erdbebenszene und die Reue des Petrus samt den darauf folgenden Arien.

Für die entstandenen Lücken komponierte Bach neue Sätze, darunter eine instrumentale Sinfonia und eine Tenorarie. Er integrierte sie als Einlageblätter in das Material von Fassung II, indem er sie auf vorhandene Blätter aufnähte. Fassung III ist heute nicht aufführbar, da viele Teile der Partitur verloren gegangen sind.

Reinschrift (1739)

1739 plante Bach die Johannespassion erneut für den Karfreitag und begann mit einer Reinschrift. Der Leipziger Stadtrat verbot die Aufführung jedoch sehr kurzfristig. Er begründete dies mit «Bedencken wegen des Textes»: Das Werk enthalte zu opernhafte, «deklamatorische» Elemente. Möglicherweise fehlten dem Rat auch ein schmerzvoller Jesus sowie die Betonung von Busse und Schuldbewusstsein. Bach war tief gekränkt, liess ausrichten, es sei ihm gleichgültig, da er ohnehin nichts daran verdiene, und legte die Feder nieder. Das Projekt einer vollständigen Revision war damit vorerst gestoppt.

Auf den ersten 20 Seiten nutzte Bach die Reinschrift für eine stilistische und musikalische Verfeinerung: Er glättete Harmonien, passte die Rhythmik seinem reiferen Spätstil an und überarbeitete den Mittelteil des Eingangschors «Herr, unser Herrscher» sowie die Choräle Nr. 3 und Nr. 5 massgeblich. Die restlichen Sätze vollendete 1749, ein Jahr vor Bachs Tod, sein Schüler Johann Nathanael Bammler.

Fassung IV (1749)

Fassung IV ist die letzte dokumentierte Version, die unter Bachs eigener Leitung erklang, und zwar am Karfreitag, dem 4. April 1749, nur rund 15 Monate vor seinem Tod. Die Verweise auf das Matthäus-Evangelium kehrten zurück. Bach verstärkte den Bassbereich erheblich: Das Continuo wurde um ein «Cembalo» (oft als Cembalone oder grosses Begleitinstrument gedeutet) und ein «Bassono grosso» (Kontrafagott) erweitert, um in der grossen Leipziger Hauptkirche einen mächtigeren Fundamentklang zu erzeugen.

Ausserdem passte Bach die Texte einiger Arien an, nämlich Nr. 9 («Ich folge dir gleichfalls»), Nr. 19 («Betrachte, meine Seel») und Nr. 20 («Erwäge»). Die Musikwissenschaft vermutet dahinter den Einfluss der Leipziger Kirchenzensur oder den Zeitgeschmack der Aufklärung: Die teils drastisch-barocke Bildersprache der Urfassung wurde etwas «rationalisiert» und abgemildert. Zudem liess er die Arien nun von Solistinnen und Solisten singen statt von Mitgliedern des Chores.

Satz X aus Fassung IV (Carus-Verlag)

Welche Fassung singen wir?

Wir singen keine der vier historischen Fassungen (1724, 1725, 1732, 1749) in Reinform, sondern die sogenannte traditionelle Mischfassung, wie sie Arthur Mendel für die Neue Bach-Ausgabe (NBA) in 1970 aufbereitet hat. Neuere musikwissenschaftliche Ansätze versuchen, jeweils eine einzelne Fassung isoliert aufzuführen. Die NBA-Edition dagegen führt Quellen und Varianten zu einer editorischen Synthese zusammen. Sie besteht aus Fassung IV, wobei für die ersten zehn Sätze die Reinschrift zugrunde liegt. Die in Fassung IV geänderten Arientexte wurden durch die Texte aus Fassung I ersetzt.

Weiterführende Literatur

  1. Alfred Dürr (2025): Johann Sebastian Bach – Die Johannespassion
  2. Meinrad Walter (2024): Johann Sebastian Bach Johannes Passion – eine musikalisch-theologische Einführung.
  3. John Eliott Gardiner (2018): Bach: Musik für die Himmelsburg.
  4. Christoph Wolff (2005 ): Johann Sebastian Bach.

Die Bücher von Dürr und Walter sind relativ trocken und eher für Musikwissenschaftler gedacht. Das Buch von Gardiner ist sehr lesenswert und behandelt Werk und Leben von Bach. Wolff diskutiert alle Werke von Bach und ist auch sehr zu empfehlen.

Geburtstage in November

Wir haben in November einige Sänger:innen, die ihren Geburtstag feiern dürfen. Wir gratulieren sie herzlichst zum Geburtstag.

01-11 Ekkehard Föhr
02-11 Urs Gilgien
03-11 Erika Ammann
06-11 Elisabeth Känzig-Isler
10-11 Ellen Dalacker
13-11 Maia Grütter
14-11 Christoph Zbinden
14-11 Susanne Luginbühl
19-11 Susann Kanne van Nieuwkoop
22-11 Jürg Wegmüller
25-11 Armin Gambon
28-11 Monika Bühlmann

Wie immer gibt es ein Musikvideo – diesmal jedoch keine Chor‑ oder Solistenaufnahme, sondern eine wunderbar feinsinnige Bearbeitung des Andantes aus Bachs Orgelsonate Nr. 4.

Wer dies lieber auf dem Klavier hört: Hier ist eine Aufnahme mit Víkingur Ólafsson.

und für die Puristen:

Und hier findet man alle bisherige Geburtstags-Videos.

Anleitung: Übungsschleifen im Carus‑App erstellen

Das Carus‑App bietet eine sehr hilfreiche Funktion: Übungsschleifen. Damit lässt sich ein bestimmter Abschnitt eines Stücks in einer fortlaufenden Wiederholung üben – ideal für schwierige Stellen oder gezieltes Techniktraining. Bitte beachten: Die Übungsfunktion steht nur zur Verfügung, wenn das Werk zuvor auf der Carus‑Homepage erworben wurde.

Im Folgenden erkläre ich die Erstellung einer Schleife im Internetbrowser auf dem Computer. Wer das App auf dem Smartphone oder Tablet nutzt, kann die Schleifen ebenfalls dort anlegen; es ist jedoch etwas umständlicher, weil man auf dem kleineren Bildschirm mit dem Finger statt mit der Maus arbeitet. Für alle, die das Carus‑App zum ersten Mal verwenden: Hier findet sich eine kurze Einführung.

1. Erste Schritte im Carus‑App

Für alle, die das App zum ersten Mal verwenden:

  • Hier geht es zum App.
  • Links oben anmelden.
  • Das gewünschte Werk auswählen und herunterladen (falls noch nicht geschehen).

2. Vorbereitung: Takte festlegen

Bevor man eine Übungsschleife erstellt, sollte man sich die Takte notieren, die wiederholt werden sollen. Beispiel: In der Johannespassion, Eingangschor, möchten wir für die Altstimme die Takte 49 bis 55 üben.
Wichtig: Man kann nicht mitten im Takt beginnen – Schleifen umfassen immer ganze Takte.

3. Schleife setzen

  1. Mit der linken Maustaste lange auf den ersten Takt klicken, also auf Takt 49. Manchmal erscheint das Schleifensymbol nicht exakt am gewünschten Takt. Beispiel: Das Symbol landet bei Takt 48 statt 49. Das ist normal und wird gleich korrigiert (siehe Abbildung)
  2. Gleichzeitig wird auch das Endsymbol der Schleife gesetzt – es sieht aus wie das Anfangssymbol, nur spiegelverkehrt.

4. Schleife anpassen

Klicke nun auf das Anfangs- oder Endsymbol. Es erscheinen mehrere Symbole:

  • Blauer Kreis mit weißem Kreuz – Schleifensymbole ausblenden
  • Grüner Kreis mit weißem Pfeil – Abspielen
  • Doppelpfeil mit „1“ – Takte hinzufügen oder entfernen
  • Gelber Kreis mit Bleistift – Taktzahlen bearbeiten
  • Roter Kreis mit Papierkorb – Schleife löschen

Für die genaue Einstellung der Takte:

  1. Gelben Kreis (Bleistift) anklicken
  2. Die vorgeschlagenen Taktzahlen durch Ziehen mit der Maus anpassen (siehe Abbldung)
  3. OK klicken

Jetzt ist die Schleife korrekt gesetzt.

5. Schleife üben

Zum Üben:

  1. Auf das Schleifensymbol klicken
  2. Den Abspielknopf wählen
  3. Die Schleife läuft nun fortlaufend, bis man stoppt

Beenden:

  • Irgendwo außerhalb der Schleife in die Partitur klicken

Zusätzliche Optionen:

  • Coach aktivieren
  • Tempo verlangsamen, um schwierige Stellen gezielt zu üben.

Das neue Buch von Vreni Blum: «Ds rächtlose Läbe vor Frieda Rosa»

Foto: Nicole Philipp

In der Zeitung Der Bund wurde am 30. September das neue Buch von «unserer» Vreni besprochen. Hier folgt die Zusammenfassung des Artikels. (Den vollständigen Artikel kann man mit einem Bund‑Abo lesen.)

Das Buch erzählt die Lebensgeschichte von Frieda Rosa, einer 1904 geborenen Bernerin, deren Zukunft zunächst vielversprechend erscheint. Ihr Vater ermöglicht allen Kindern eine solide Ausbildung, und Frieda Rosa wird Modistin, arbeitet als Gouvernante in Frankreich und England und führt später ein eigenes Geschäft in Wichtrach. Sie ist eine moderne, selbstständige Frau, die sogar Auto fährt. Doch nach einer enttäuschten Liebe und aus Angst, unverheiratet zu bleiben, lässt sie sich auf einen entfernten Verwandten ein, der vor allem an ihrer Mitgift interessiert ist. Die Ehe wird zum Unglück ihres Lebens: Der Mann besucht in der Hochzeitsnacht seine Dienstmagd, ist geizig, kontrolliert sie, verbietet ihr das Autofahren, wird gewalttätig und zwingt sie zu harter Arbeit auf seinem Landwirtschaftsbetrieb. Die damalige rechtliche Lage, die verheiratete Frauen stark einschränkte, verstärkt ihre Ausweglosigkeit.

Fröhliche Ausfahrt mit Frieda als Vierte von links: In Nizza arbeitete die junge Bernerin Ende der 1920er-Jahre als Gouvernante. Foto: PD

Vreni, Frieda Rosas Nichte, rekonstruiert dieses Schicksal in einem neuen Mundartroman. Sie verbindet Erinnerungen ihres Vaters mit eigenen Recherchen zur Stellung der Frauen in der Schweiz der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Roman besticht durch erzählerische Empathie, genaue Beobachtung und eine differenzierte, gut lesbare Mundart. Besonders eindrücklich ist der Kontrast zwischen den lebendigen, fast filmischen Szenen des Anfangs und dem Strudel des letzten Drittels, der Frieda Rosas Leben in die Fremdbestimmung reißt. Ein Riss im Familienalbum, dessen Fotos die Kapitel begleiten, markiert den Wendepunkt. Das tragische Ende der Protagonistin erwähnt die Autorin nur in einem einzigen Satz – ein stiller, pietätvoller literarischer Schluss. Zurück bleiben Angehörige, die sich mit Schuldfragen quälen. Der Roman zeigt, wie ein individuelles Schicksal weit über sich hinausweist und grundlegende Fragen nach Freiheit, Abhängigkeit und dem Warum menschlicher Entscheidungen berührt.

Verena Blum-Bruni: Rosarot u pächschwarz. Ds rächtlose Läbe vor Frieda Rosa. Zytglogge-Verlag, Basel 2026, 136 Seiten (mit Abb.), 26 Fr. Vernissage: Mittwoch, 28. Oktober, 19 Uhr, Buchhandlung Haupt Bern.

Weitere Artikel in der Zeitung «Der Bund» zu den Büchern von Vreni (Abopflichtig):

chüderle u chutte: Wenn die Enkelin den Grosseltern ein Denkmal setzt

Zwüsche Fröid u Fäudgrau: Ein junges Paar zwischen Wirtschaftskrise und Aktivdienst.

Chlyni Grööggeli u gschickti Häng: Über das Leben einer Hebamme

Unterschätzt: Der Chor als heimlicher Hauptdarsteller der Johannespassion

Wer an Bachs Johannespassion denkt, denkt oft zuerst an die grossen Solopartien: an den Evangelisten, der die Passionsgeschichte erzählt, an die eindringlichen Arien, an die Stimme Jesu. Der Chor? Der scheint auf den ersten Blick eher eine Nebenrolle zu spielen – ein paar Choräle hier, ein kurzer Einwurf da.

Ein Blick auf die Stücke, in denen die einzelnen Stimmen mitwirken, zeigt: Dieser Eindruck täuscht gewaltig.

Die Zahlen sprechen für sich

Die Grafik zeigt es deutlich: Der Chor nimmt mit 52 Minuten das grösste Segment ein – noch vor Tenor, Bass, Sopran und Alt. Er ist damit an mehr Musik beteiligt als jede einzelne Solostimme für sich. Von einer «Nebenrolle» kann also keine Rede sein: Der Chor prägt einen grossen Teil der Aufführung mit – oft gemeinsam mit den Solist*innen, etwa wenn er in denselben Sätzen wie Bass oder Tenor auftritt.

Warum das so ist

Diese Präsenz verteilt sich auf mehrere zentrale Aufgaben:

Da sind zunächst die berühmten Turbachöre (12 Minuten) – die dramatischen, oft kurzen und hochenergetischen Einwürfe der aufgebrachten Menge, der Hohepriester oder der Soldaten («Kreuzige!», «Wir haben ein Gesetz», «Sei gegrüsset, lieber Judenkönig!»). Diese Chöre sind musikalisch enorm anspruchsvoll: schnell, rhythmisch komplex, voller Spannung – und sie treiben die Handlung der Passion überhaupt erst voran.

Dazu kommen die grossen Rahmenchöre (23 Minuten) – der monumentale Eingangschor «Herr, unser Herrscher» und der Schlusschor «Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine», die das Werk mit voller Wucht eröffnen und in stiller Trauer beschliessen.

Und schliesslich die Choräle (17 Minuten): jene schlichten, vierstimmigen Sätze, die dem Publikum immer wieder Raum zum Innehalten geben – ruhige Inseln inmitten des dramatischen Geschehens, ebenfalls vom gesamten Chor getragen.

Genau diese Präsenz macht die Johannespassion für uns Chor zu einem so lohnenden, aber auch fordernden Projekt: Wir sind nicht blosser Farbtupfer im Klanggeschehen, sondern tragen das Werk über weite Strecken mit.