Kurt Weill (1900–1950) zählt zu den prägendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. In Dessau als Sohn eines jüdischen Kantors geboren, wuchs er in einer musikalisch reichen Umgebung auf. Früh zeigte sich sein Talent für Komposition und musikalische Analyse. Seine Studien führten ihn nach Berlin, wo er unter anderem bei Ferruccio Busoni eine Ausbildung erhielt, die sein Denken über Form, Harmonie und musikalische Dramaturgie nachhaltig prägte.
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In den 1920er-Jahren entwickelte Weill eine unverwechselbare Tonsprache: modern, zugänglich, rhythmisch pointiert und offen für Einflüsse aus Jazz, Kabarett und populärer Musik. Seine Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht wurde zu einem Meilenstein des Musiktheaters. Werke wie Die Dreigroschenoper (1928) oder Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930) verbanden gesellschaftliche Analyse mit musikalischer Direktheit. Weill verstand Musik als Mittel, gesellschaftliche Wirklichkeit sichtbar zu machen – ein Ansatz, den er selbst als „Gebrauchsmusik“ bezeichnete.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste Weill 1933 Deutschland verlassen. Nach Stationen in Paris emigrierte er in die USA, wo er sich künstlerisch neu erfand. Statt an der europäischen Avantgarde anzuknüpfen, wandte er sich dem amerikanischen Musiktheater zu. Broadway-Produktionen wie Lady in the Dark, One Touch of Venus oder Street Scene zeigen seine erstaunliche stilistische Wandlungsfähigkeit. Weill komponierte nun für ein breites Publikum, ohne seine künstlerische Integrität aufzugeben. Seine Musik blieb klar strukturiert, emotional direkt und geprägt von einer besonderen Mischung aus Melancholie und Energie.
Weills Werk ist bis heute lebendig, weil es Grenzen überschreitet: zwischen E- und U-Musik, zwischen politischem Theater und Unterhaltung, zwischen europäischer Moderne und amerikanischem Showbusiness. Seine Kompositionen besitzen eine unverwechselbare Handschrift – kantig und zugleich eingängig, kritisch und doch voller Empathie. Sie erinnern daran, dass Musik nicht nur ästhetisch, sondern auch gesellschaftlich wirksam sein kann.

