Die beiden Stücke Solidaritätslied und Resolution, die wir im Maikonzert singen, stammen aus der Feder von Hanns Eisler.
Hanns Eilser war ein österreichischer Komponist, Musiktheoretiker und politischer Künstler, der als einer der prägnantesten Vertreter des engagierten Musikschaffens im 20. Jahrhundert gilt. Besonders bekannt wurde er durch seine Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht und seine Beiträge zur politischen Liedkultur.
Geboren am 6. Juli 1898 in Leipzig als Sohn des Philosophen Rudolf Eisler, wuchs Hanns Eisler in Wien auf und wurde nach dem Ersten Weltkrieg Schüler von Arnold Schönberg. Obwohl er sich von Schönbergs Zwölftontechnik später distanzierte, blieb er dessen kompositorischer Strenge verpflichtet. Anders als Schönberg sah Eisler Musik nicht nur als ästhetisches, sondern als gesellschaftliches Medium: Sie sollte aufklären, mobilisieren und verändern.

In den 1920er-Jahren zog Eisler nach Berlin, wo er sich der kommunistischen Bewegung anschloss und für Arbeiterchöre sowie Agitprop-Gruppen komponierte. Seine Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht begann 1928 und prägte sein Schaffen über Jahrzehnte. Gemeinsam entwickelten sie eine neue Form des Musiktheaters, das politische Inhalte mit künstlerischer Radikalität verband – etwa in Werken wie Die Massnahme oder Die Mutter. Eisler schrieb auch zahlreiche Kampflieder, darunter das berühmte Einheitsfrontlied, das zur Hymne der antifaschistischen Bewegung wurde.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ging Eisler ins Exil, lebte zunächst in Europa, dann ab 1938 in den USA. In Hollywood komponierte er Filmmusik und schuf das Hollywooder Liederbuch, eine Sammlung von Liedern auf Texte von Brecht, Hölderlin und anderen, die persönliche und politische Erfahrungen des Exils reflektieren. Seine Nähe zur kommunistischen Bewegung führte 1947 zur Vernehmung durch das Komitee für unamerikanische Aktivitäten und schliesslich zur Ausweisung aus den USA.
1948 kehrte Eisler nach Europa zurück und liess sich in Ost-Berlin nieder, wo er sich am Aufbau des Musiklebens der DDR beteiligte. Er komponierte unter anderem die Nationalhymne Auferstanden aus Ruinen, blieb aber ein kritischer Geist, der sich nicht vorbehaltlos den kulturpolitischen Vorgaben des SED-Regimes unterordnete. Trotz zahlreicher Ehrungen kam es immer wieder zu Spannungen mit den Behörden.
Eislers Werk umfasst Lieder, Kammermusik, Orchesterwerke, Bühnen- und Filmmusik sowie musiktheoretische Schriften. Er starb am 6. September 1962 in Ost-Berlin. Sein Schaffen steht für eine Musik, die sich nicht in Schönheit erschöpft, sondern Stellung bezieht – kompromisslos, analytisch und zutiefst humanistisch.