Das neue Buch von Vreni Blum: «Ds rächtlose Läbe vor Frieda Rosa»

Foto: Nicole Philipp

In der Zeitung Der Bund wurde am 30. September das neue Buch von «unserer» Vreni besprochen. Hier folgt die Zusammenfassung des Artikels. (Den vollständigen Artikel kann man mit einem Bund‑Abo lesen.)

Das Buch erzählt die Lebensgeschichte von Frieda Rosa, einer 1904 geborenen Bernerin, deren Zukunft zunächst vielversprechend erscheint. Ihr Vater ermöglicht allen Kindern eine solide Ausbildung, und Frieda Rosa wird Modistin, arbeitet als Gouvernante in Frankreich und England und führt später ein eigenes Geschäft in Wichtrach. Sie ist eine moderne, selbstständige Frau, die sogar Auto fährt. Doch nach einer enttäuschten Liebe und aus Angst, unverheiratet zu bleiben, lässt sie sich auf einen entfernten Verwandten ein, der vor allem an ihrer Mitgift interessiert ist. Die Ehe wird zum Unglück ihres Lebens: Der Mann besucht in der Hochzeitsnacht seine Dienstmagd, ist geizig, kontrolliert sie, verbietet ihr das Autofahren, wird gewalttätig und zwingt sie zu harter Arbeit auf seinem Landwirtschaftsbetrieb. Die damalige rechtliche Lage, die verheiratete Frauen stark einschränkte, verstärkt ihre Ausweglosigkeit.

Fröhliche Ausfahrt mit Frieda als Vierte von links: In Nizza arbeitete die junge Bernerin Ende der 1920er-Jahre als Gouvernante. Foto: PD

Vreni, Frieda Rosas Nichte, rekonstruiert dieses Schicksal in einem neuen Mundartroman. Sie verbindet Erinnerungen ihres Vaters mit eigenen Recherchen zur Stellung der Frauen in der Schweiz der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der Roman besticht durch erzählerische Empathie, genaue Beobachtung und eine differenzierte, gut lesbare Mundart. Besonders eindrücklich ist der Kontrast zwischen den lebendigen, fast filmischen Szenen des Anfangs und dem Strudel des letzten Drittels, der Frieda Rosas Leben in die Fremdbestimmung reißt. Ein Riss im Familienalbum, dessen Fotos die Kapitel begleiten, markiert den Wendepunkt. Das tragische Ende der Protagonistin erwähnt die Autorin nur in einem einzigen Satz – ein stiller, pietätvoller literarischer Schluss. Zurück bleiben Angehörige, die sich mit Schuldfragen quälen. Der Roman zeigt, wie ein individuelles Schicksal weit über sich hinausweist und grundlegende Fragen nach Freiheit, Abhängigkeit und dem Warum menschlicher Entscheidungen berührt.

Verena Blum-Bruni: Rosarot u pächschwarz. Ds rächtlose Läbe vor Frieda Rosa. Zytglogge-Verlag, Basel 2026, 136 Seiten (mit Abb.), 26 Fr. Vernissage: Mittwoch, 28. Oktober, 19 Uhr, Buchhandlung Haupt Bern.

Weitere Artikel in der Zeitung «Der Bund» zu den Büchern von Vreni (Abopflichtig):

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Zwüsche Fröid u Fäudgrau: Ein junges Paar zwischen Wirtschaftskrise und Aktivdienst.

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