Bertolt Brecht – Leben und Werk eines unbequemen Klassikers

Leben

Bertolt Brecht wurde 1898 in Augsburg geboren, in eine Zeit des Umbruchs, die seine spätere künstlerische Haltung entscheidend prägen sollte. Schon als Jugendlicher schrieb er Gedichte und erste Theaterstücke, oft mit einer Mischung aus Provokation, politischem Interesse und lakonischem Humor.

Während des Ersten Weltkriegs arbeitete er als Sanitätssoldat – eine Erfahrung, die seine Skepsis gegenüber Autoritäten und heroischen Erzählungen vertiefte.
Nach dem Krieg zog Brecht nach München und später nach Berlin, wo er rasch Anschluss an die avantgardistischen Kreise der Weimarer Republik fand. Er experimentierte mit neuen Formen des Theaters, suchte nach Wegen, das Publikum nicht nur zu unterhalten, sondern zum Nachdenken zu bringen. In dieser Zeit entwickelte sich sein Konzept des „epischen Theaters“, das Distanz statt Identifikation erzeugen sollte. Brecht wollte, dass die Zuschauer die Mechanismen der Gesellschaft erkennen – und sich nicht in Illusionen verlieren.
Eine entscheidende künstlerische Begegnung war jene mit dem Komponisten Kurt Weill. Beide verband der Wunsch, Musik und Theater radikal neu zu denken. Ihre Zusammenarbeit führte 1928 zur Dreigroschenoper, einem Werk, das mit seinen bissigen Texten, seiner Mischung aus Moritat, Jazz und Parodie und seiner schonungslosen Gesellschaftskritik zum Sensationserfolg wurde. Brechts Sprache – knapp, rhythmisch, voller Ironie – fand in Weills Musik eine kongeniale Partnerin. Gemeinsam schufen sie eine Form des Musiktheaters, die bis heute nachwirkt.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann für Brecht ein langer Weg des Exils: erst über Prag, Wien und die Schweiz nach Skandinavien, später in die USA. Trotz materieller Unsicherheit und politischer Verfolgung schrieb er weiter – Gedichte, Stücke, theoretische Texte. Viele seiner wichtigsten Werke entstanden in dieser Zeit, geprägt von der Erfahrung der Heimatlosigkeit und dem Blick auf eine Welt im Krieg.

1948 kehrte Brecht nach Europa zurück und liess sich in Ost-Berlin nieder, wo er das Berliner Ensemble gründete. Dort setzte er seine Theaterarbeit fort, entwickelte Inszenierungen, die bis heute stilbildend sind, und arbeitete eng mit seiner langjährigen Partnerin und Mitautorin Helene Weigel zusammen. Bis zu seinem Tod 1956 blieb Brecht eine prägende Stimme des deutschsprachigen Theaters – unbequem, analytisch, poetisch.

Bertolt Brecht war ab 1929 mit der Schauspielerin Helene Weigel verheiratet.
Sie blieb bis zu seinem Tod 1956 seine Partnerin – privat wie künstlerisch. Weigel war nicht nur seine Ehefrau, sondern auch eine zentrale kreative Kraft in seinem Umfeld. Später leitete sie das Berliner Ensemble und prägte Brechts Theaterpraxis entscheidend mit.

Helene Weigel

Brecht führte parallel zu seiner Ehe mehrere langjährige künstlerische und persönliche Partnerschaften, die für sein Werk prägend waren. Dazu gehörten u. a.:

  • Marianne Zoff, Opernsängerin – mit ihr hatte er eine Tochter (Hanne Hiob).
  • Elisabeth Hauptmann, Schriftstellerin – massgeblich an vielen Texten beteiligt, u. a. an der Dreigroschenoper.
  • Ruth Berlau, Schauspielerin und Regisseurin – enge künstlerische Mitarbeiterin im Exil und danach.
  • Margarete Steffin, Schauspielerin und Autorin – wichtige Mitautorin vieler Stücke.

Brecht lebte also in einem Geflecht aus Ehe, künstlerischen Kooperationen und Liebesbeziehungen, das für seine Arbeitsweise typisch war: kollektiv, intensiv, oft grenzüberschreitend.

Sein Werk wirkt fort, weil es die Widersprüche der modernen Gesellschaft sichtbar macht. Gerade in der Dreigroschenoper zeigt sich Brechts Fähigkeit, soziale Missstände mit scharfem Witz und musikalischer Kraft zu verbinden. Seine Texte stellen Fragen, die nichts an Aktualität verloren haben: Wie entsteht Ungerechtigkeit. Wer profitiert davon. Und welche Verantwortung trägt der Einzelne.

Wichtige Werke von Bertolt Brecht

Theaterstücke

  • Baal (1918/19)
  • Trommeln in der Nacht (1919)
  • Im Dickicht der Städte (1921–23)
  • Mann ist Mann (1926)
  • Die Dreigroschenoper (1928, mit Musik von Kurt Weill)
  • Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930, mit Musik von Kurt Weill)
  • Die heilige Johanna der Schlachthöfe (1929–31)
  • Der gute Mensch von Sezuan (1938–41)
  • Mutter Courage und ihre Kinder (1939)
  • Leben des Galilei (1938/45/55)
  • Der kaukasische Kreidekreis (1944/45)

Lyrik

  • Hauspostille (1927)
  • Svendborger Gedichte (1939)
  • Buckower Elegien (1953)
    Theoretische Schriften
  • Kleines Organon für das Theater (1948)
  • Schriften zum Theater (verschiedene Texte, gesammelt posthum)
    Musikalische Werke / Song-Zyklen (mit Komponisten)
  • Die Dreigroschenoper (1928, Kurt Weill)
  • Mahagonny-Songspiel (1927, Kurt Weill)
  • Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny (1930, Kurt Weill)
  • Die Massnahme (1930, Hanns Eisler)
  • Die Mutter (1932, Hanns Eisler)
  • Hollywood-Elegien (1942–43, Hanns Eisler)