Die Moritat – Schaurige Ballade mit moralischem Kern

Wer im 18. oder 19. Jahrhundert über Jahrmärkte schlenderte, konnte ihnen kaum entgehen: den Bänkelsängern mit ihren Leierkästen und bunten Bildtafeln. Sie sangen Moritaten – schaurige Balladen, die von Mord, tragischen Liebesschicksalen oder spektakulären Skandalen erzählten.

Eine Moritat ist ein erzählendes Lied, das Spannung und Belehrung miteinander verbindet. Der Name leitet sich vermutlich von „Mordtat“ oder „Moralität“ ab – und beides passt: Die Geschichten waren oft blutig und zugleich warnend.

  • Inhalt: Verbrechen, Hinrichtungen, tragische Schicksale
  • Form: einfache Melodien, klare Sprache, eingängige Refrains
  • Darstellung: begleitet von Bildtafeln, die das Gesungene illustrierten

Das Publikum liebte die Mischung aus Sensation und Belehrung. Die Botschaft war meist eindeutig: Verbrechen lohnt sich nicht, Tugend wird belohnt. Damit erfüllte die Moritat eine doppelte Funktion – sie unterhielt und vermittelte Werte.

Berühmt wurde die Moritat auch in der Moderne: Bertolt Brecht griff die Tradition in seiner Dreigroschenoper auf – die „Moritat von Mackie Messer“ ist bis heute ein Klassiker.

Hier eine berühmte Ausführung:

Hier ein Beispiel einer moderne Moritat (mit Dank an ChatGPT):

Die Moritat vom Klick und Schein

Es war ein Mann, er klickte viel,
versank im Netz, verlor sein Ziel.
Er jagte Ruhm auf jedem Post,
doch fand am Ende nur den Trost.

Refrain:
Hört, ihr Leute, hört genau,
Schneller Glanz vergeht im Grau!

Er kaufte Likes, er suchte Macht,
doch blieb allein in mancher Nacht.
Die Freunde fern, die Zeit verflog,
sein Herz im leeren Rhythmus schlug.

Refrain:
Hört, ihr Leute, hört genau,
Schneller Glanz vergeht im Grau!

Da brach der Strom, der Bildschirm schwieg,
die Stille kam, die Wahrheit siegt.
Er sah, was wirklich wichtig ist:
Ein Mensch, der lebt, nicht nur sich misst.

Refrain:
Hört, ihr Leute, hört genau,
Schneller Glanz vergeht im Grau!

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